Scheidung – wohin mit den Schuldgefühlen?

Schuld an der Scheidung

Jan war über zwanzig Jahre verheiratet. Die ersten Jahre war alles gut. Das Ehepaar bekam Kinder, baute ein Haus und hatte beruflichen Erfolg. Doch dann kam der Einbruch. Jan’s Frau Isabella fühlte sich überfordert mit der Kindererziehung, dem Job, den sie nebenbei ausübte und begann ihren Frust im Alkohol zu ertränken. Es fing schleichend an. Sie ging mit Kollegen feiern. Abends vor dem Fernseher trank sie regelmäßig ihren Wein. Erst zwei Gläser, irgendwann durften es auch mal mehr sein. Schon bald war es nicht mehr das Fläschchen Wein am Abend. Sie stieg um auf härtere Sachen, trank öfter ein Schnäpschen nach dem Essen. Jan bekam gar nicht mit, dass Isabella mehr und mehr zu trinken begann. Eigentlich merkte er es erst, als es schon zu spät war. Er überredete sie zu einer Entziehungskur. Sie ließ sich darauf ein und Jan atmete auf. Doch leider wurde Isabella schnell wieder rückfällig. Dann ging es bergab. Sie vernachlässigte die Kinder, verlor ihren Job und blieb den ganzen Tag im Bett liegen.

Überforderung in der Beziehung

Jan fühlte sich zunehmend überfordert. Er kam mit der Situation nicht mehr zurecht. Schließlich hatte er neben Frau und Kinder auch einen Beruf, der einiges von ihm abverlangte. Irgendwann wusste er, dass es so nicht weitergehen konnte. Er reichte die Scheidung ein. Gemeinsam mit den Kindern zog er aus dem gemeinsamen Haus aus und in die Nähe seiner Eltern. So konnte er die Kinder tagsüber von seiner Mutter betreuen lassen. Seiner Frau legte er nahe, noch einmal eine Entziehungskur zu machen. Sie lehnte ab und Jan redete sich ein, nicht für ihr Schicksal verantwortlich zu sein.

Alkoholkrankheit in einer Beziehung

Obwohl Jan alles getan hatte, um seine Frau aus dem Teufelskreislauf „Alkoholismus“ wieder herauszuziehen, fühlte er sich schuldig. Hatte er zu schnell aufgegeben? Hatte er mit der Wegnahme der Kinder seiner Frau den letzten Halt genommen? Die Situation war völlig verfahren, trotzdem liebte Jan seine Frau noch immer und er trauerte um eine Beziehung, die doch einmal so gut angefangen hatte. Er machte sich heftige Vorwürfe. Er litt unter schweren Schuldgefühlen. Er war am Ende dieser Ehe schuldig. Denn er hatte die Scheidung eingereicht. Wenn es nach seiner Frau gegangen wäre, hätte die Ehe nach wie vor Bestand gehabt. Beide Partner waren sich jahrzehntelang treu geblieben. Eheliche Untreue wäre beiden nie in den Sinn gekommen. Trotzdem war die Ehe gescheitert. Jan konnte kaum fassen, dass er tatsächlich die Scheidung betrieben hatte. Irgendetwas in ihm sagte, dass er richtig gehandelt hatte und dennoch fraß dieses Schuldgefühl in ihm. Sogar seine Kinder waren froh, dass der Vater sich von der Mutter getrennt hatte. Doch sich selbst konnte Jan nicht verzeihen. Die Schuldgefühle waren riesig. Lange wusste er nicht wohin damit.

Vergebung ist wesentlich

Erst als ihm klar wurde, dass es vor Gott keine Rolle spielt, ob wir tatsächlich, oder gefühlt schuldig sind, weil er uns immer vergibt, wusste er wo er seine Schuldgefühle abladen konnte. Denn Jesus hat uns die Vergebung gebracht. Jan musste die Vergebung Gottes lediglich annehmen. Das war nicht einfach und er brauchte seine Zeit, um diese Vergebung für sich in Anspruch zu nehmen. Doch dann merkte er, dass dieses „in Anspruch nehmen“ etwas in ihm auslöste. Er war fähig, auch seiner Frau zu vergeben. Jan spürte, dass auf dieser Basis auch ein Neuanfang möglich sein würde. Der Neuanfang hieß für ihn nicht Rückkehr zu seiner Frau. Es war vielmehr der unbelastete Neubeginn mit seiner Teilfamilie ohne Schuldgefühle und der Möglichkeit, auch den Umgang der Kinder mit der Ex-Frau ohne Wut zu regeln.

Das Beispiel von Jan zeigt einen Scheidungsgrund auf. Natürlich gibt es etliche weitere Gründe, für die dieses Beispiel jetzt steht. Die meisten Gründe, die ich im Internet gelesen habe, waren: „Mein Mann hat mich wegen einer anderen verlassen.“ „Meine Frau ist mit einem anderen Mann fremd gegangen.“ Das sind natürlich die Klassiker. Doch gibt es auch sehr viele andere Gründe, die Menschen nicht an die große Glocke hängen. Beispielsweise der Mann, der seine Frau schlägt, oder der Partner, der spielsüchtig ist und Haus und Hof verspielt hat, oder die Frau, die an einer psychischen Störung erkrankt ist, mit der ihre Familienangehörigen nicht mehr zurechtkommen.

Egal, welches Schicksal Sie ertragen müssen es ist Ihr Schicksal, Ihr Leid und wenn Sie wollen, können Sie uns gerne in der Kommentarfunktion (auch anonym) davon erzählen.

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